„Ich habe den Eindruck, dass Wissenschaft und Kunst zwei verschiedene Kulturen sind.“

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Foto: MPG/Ausserhofer

 

„Wissenschaft trifft Kunst“ lautet der thematische Schwerpunkt des 12. Forum Wissenschaftskommunikation in Essen. Festgelegt hat ihn der Programmbeirat. Was steckt dahinter und welche Erwartungen haben die Mitglieder an das Forum? Wir haben nachgefragt – und starten unsere Interviewreihe mit Susanne Kiewitz, Referentin für Kommunikation bei der Max-Planck-Gesellschaft.

Frau Kiewitz, warum finden Sie es wichtig, dass in der Wissenschaftskommunikation über das Thema „Wissenschaft trifft Kunst“ geredet wird?

Die Wissenschaftskommunikation arbeitet in den letzten Jahren immer öfter mit hybriden Formaten an der Schnittstelle zur Kunst. Kommunikatorinnen und Kommunikatoren und die Forschenden selbst werden immer experimentierfreudiger, aber auch die Kultureinrichtungen. Da ist es Zeit für ein Resümee. Vielleicht können wir erste Best Practice Beispiele identifizieren, die sich als tragfähig erwiesen haben. Außerdem glaube ich, dass wir mit künstlerischen Formaten neue Zielgruppen ansprechen. Viele Menschen scheuen vor der Komplexität von Wissenschaft zurück, haben aber keine Probleme, sich mit der mitunter viel größeren Komplexität von Kunst auseinanderzusetzen.

Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen Kunst und Wissenschaft?

Generell habe ich habe den Eindruck, dass Wissenschaft und Kunst zwei verschiedene Kulturen sind, die sich fast nie begegnen und wenig voneinander wissen. Diese Erfahrung machen wir auch im Projekt MINTEEE, das versucht, Autorinnen und Autoren von TV-Filmen und Krimis mit der Wissenschaftswelt in Verbindung zu bringen. Man kennt sich nicht wirklich. Dabei sind sich gerade Grundlagenforschung und Kunst strukturell sehr ähnlich. Beide arbeiten aus Neugier und mit Passion in kreativen Prozessen, bei denen das Ergebnis nicht unbedingt vorhersehbar ist. Deshalb finde ich es eine gute Idee, Menschen aus diesen beiden Bereichen miteinander ins Gespräch zu bringen. Es kann sein, dass das nicht immer gut funktioniert, weil sie verschiedene Sprachen sprechen. Hier könnte sich eine neue Aufgabe an Kommunikatorinnen und Kommunikatoren stellen, zu vermitteln.

Welche Rolle spielt Kunst bei der Max-Planck-Gesellschaft?

Die Kunst spielt eine wachsende Rolle. Die Max-Planck-Institute haben schon seit langem Künstler zu Gast und wir kooperieren mit verschiedenen Einrichtungen. Zusammen mit den Staatsopern in München und in Hamburg bieten wir Themenkonzerte an. Ein klassisches Konzertprogramm wird mit einem wissenschaftlichen Vortrag kombiniert. Das geht bei der Ornithologie, aber auch mit vielen anderen Themen, z.B. aus der Neurowissenschaft. Mit dem Städel Museum in Frankfurt haben wir ein Format entwickelt, bei dem Forschende sich Bilder aussuchen, um an ihnen ihre Wissenschaft bei einer Führung zu erklären. Ein Forschungsgruppenleiter des Max-Planck-Instituts für Meteorologie etwa hat sich Bruegels Schneelandschaft ausgesucht und anhand dieses Bildes über den Klimawandel gesprochen. Das bringt nicht nur für das Publikum neue Sichtweisen auf die Kunst, sondern auch die Forschenden empfinden das als eine Anregung, kreativ über ihre Themen nachzudenken.

Welche Wünsche haben Sie für das Forum Wissenschaftskommunikation?

Es wäre schön, wenn tatsächlich auch Kunst- und Kulturschaffende zur Tagung kommen würden. Wir Wissenschaftskommunikatorinnen und Wissenschaftskommunikatoren können viel von diesen lernen, zum Beispiel, warum und wie Bühnenformate Menschen in ihren Bann ziehen. Darüber gibt es ja ein jahrtausendealtes Wissen im Theater und in der Rezeptionsästhetik. Interessant wäre es zu sehen, wie Kunstschaffende auf Forschende blicken, was sie an diesen interessiert. Umgekehrt bietet die Wissenschaft viele Anregungen für Kunst und Kultur. Die wenigsten Drehbuchschreibenden wissen zum Beispiel etwas über den wissenschaftlichen Alltag oder über aktuelle Forschungsfelder, die die Welt verändern (z.B. in der Humangenetik). Hier gäbe es noch viele Stoffe, die auch das breite Publikum für Wissenschaft begeistern könnten. Hollywood Blockbuster wie „Interstellar“ oder „Gravity“ beweisen, dass das möglich ist.

Dr. Susanne Kiewitz

Susanne Kiewitz ist Referentin für Kommunikation bei der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft am Standort Berlin. Sie betreut Veranstaltungen, die allgemeine Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Kommunikation der Unternehmensgeschichte. Nach ihrer Promotion im Fachbereich Germanistik/Neue Deutsche Philologie arbeitete sie für verschiedene Einrichtungen im Kultur- und Bildungsbereich, u.a. für den Jazzclub Regensburg, das Dokumentationszentrum Reichparteitagsgelände Nürnberg und das Museum für Kommunikation in Berlin.

Das 12. Forum Wissenschaftskommunikation findet vom 10. bis 12. Dezember 2019 in Essen statt. Auf www.forum-wissenschaftskommunikation.de finden Sie die Informationen zum Schwerpunktthema „Wissenschaft trifft Kunst“ und zum themenoffenen Call for Proposals. Der Call for Proposals ist bis einschließlich 10. April 2019 offen. 

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